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Wie gelingen Nachtaufnahmen immer?

Kamera

Zu empfehlen ist eine Kamera, die eine „B“-Einstellung („bulb“) oder als längste Verschlusszeit mindestens 30 Sekunden hat und die Möglichkeit bietet, die Blende und die Verschlusszeit manuell einzustellen. Außerdem ist eine Anschlussmöglichkeit für einen Drahtauslöser bzw. einen elektrischen Fernauslöser vorteilhaft.

Stativ

Die Grundvoraussetzung für gelungene Nachtaufnahmen ist ein stabiles Stativ. Schnellkupplungs-Platten, die Sie auch nachträglich montieren können, ermöglichen ein rasches, unkompliziertes Auf- und Abbauen der Kamera.

Kabelauslöser

Bei längeren Belichtungszeiten kann es leicht passieren, dass sich beim Auslösen die Kamera bewegt und somit die Aufnahme verwackelt wird. Um das zu verhindern, gibt es Kabelauslöser, die man beide für sehr lange Verschlusszeiten auch arretieren kann.

Für einige Kameras gibt es auch einen Infrarot-Fernauslöser. Mit diesen können Sie zwar verwacklungsfrei auslösen, aber mit keinen längeren Verschlusszeiten fotografieren, als die Kamera vorgibt.

Selbstauslöser

Falls Ihre Kamera keinen Anschluss für einen Kabelauslöser bietet, können Sie auch mit dem Selbstauslöser verwacklungsfrei fotografieren. Das funktioniert aber nur bei Kameras mit der Möglichkeit, lange Belichtungszeiten einzustellen. Damit Sie nicht bei jeder Aufnahme 10 Sekunden warten müssen, kann man bei manchen Kameras den Selbstauslöser auch auf 2 Sekunden stellen.

Taschenlampe

Um Einstellungen an der Kamera vornehmen zu können, ist es immer sehr hilfreich, eine Taschenlampe in der Fototasche mitzuführen. Denken Sie daran, Sie wollen ja Nacht-Aufnahmen machen!

Uhr

Zum Messen der längeren Belichtungszeiten sollte eine (Stopp-) Uhr nicht fehlen.

Einstellung an der Kamera:

  1. Stellen Sie die „ISO-Einstellung“ (Empfindlichkeit) auf möglichst niedrigen Wert ein
  2. Stellen Sie den „Weißabgleich“ (WB, White-Balance) manuell auf eine Vorgabe ein. Ihre Kamera bietet hier zur Auswahl „Glühlampe“, „Bewölkt“, „Schatten“ oder „Tageslicht“ an. Je nach Einstellung bekommen Sie kühlere Farben (Glühlampe) oder wärmere Farben (Schatten). Die Einstellung ist davon abhängig, wie Ihr Motiv beleuchtet ist. Oft sind Strahler von Gebäuden gelb eingefärbt, dann wirkt die Einstellung „Glühlampe“ natürlicher. Experimentieren Sie damit, letzten Endes ist es eine Frage des eigenen Geschmacks…
  3. Schalten Sie, sofern vorhanden, die „Rauschunterdrückung“ ein (NR, Noise-Reduction). Das bewirkt allerdings auch eine längere Speicherzeit bei der Kamera, da die Bilder von der Kamera bearbeitet werden.
  4. Stellen Sie die Belichtungsautomatik der Kamera auf „M“ (manuell) und wählen die entsprechenden Blenden und Verschlusszeiten. Die unten aufgeführte Tabelle gibt Ihnen einen Richtwert. Die Zeit-/Blenden-Kombinationen können aber – je nach Motiv – auch stark abweichen.

Und so gehen Sie vor:

Beleuchtete Gebäude

Setzen Sie die Kamera auf ein Stativ, stellen Sie die Schärfe ein (Auto-Fokus am besten abschalten) und Zeit und Blende auf „Manuell“. Wählen Sie die passende Blende und Belichtungszeit und lösen Sie über den Kabelauslöser oder dem aus.

Welche Belichtungszeit notwendig ist, erfahren Sie in der nachstehenden Tabelle. Wenn Sie Blende 11 oder kleiner wählen, erscheinen punktförmige Lichtquellen (z.B. Glühlampen) als Stern.

Feuerwerk

Auch hier stellen Sie die Kamera auf ein Stativ und die Entfernung manuell auf unendlich. Nun warten Sie ab, bis die ersten Raketen aufsteigen und wählen dann die entsprechende Brennweite. Da die Belichtungszeit allein von der Anzahl der explodierenden Raketen abhängt, können Sie keine feste Zeit vorgeben. Sie stellen die Belichtungszeit auf „B“, öffnen den Verschluss und belichten ca. 2 bis 3 Raketen auf eine Aufnahme. Mehr Raketen würden sich überlappen und damit eine Überbelichtung erzeugen.

Sollte die Verarbeitung der Bilder in der Kamera zu lange dauern und Sie so nicht schnell genug Bilder machen können, schalten Sie die „Rauschunterdrückung“ aus.

Die folgende Belichtungszeiten-Tabelle bezieht sich auf die ISO 100-Einstellung bei der Digitalkamera. Sie können ablesen, welche Belichtungszeit und Blende Sie in etwa wählen sollten.

Die ganzen Sekunden werden mit “ angegeben (wie bei den meisten Kameras), die Teilsekunden mit 1/.

MotivBlende 5,6Blende 8Blende 11
Leuchtreklame1/81/41/2
Beleuchtete Straßen1/41/21''
Flutlicht1/81/41/2
Angestrahlte Gebäude15''30''60''
Eine Stadt (aus der Höhe)90''180''360''
Höhenfeuerwerk (professionell)2 – 3 Raketen
“Kleines” Feuerwerk (privat)2 – 3 Raketen

Bitte beachten Sie:

  • Bei ISO 50 müssten Sie die doppelte Belichtungszeit wählen, bei ISO 200 die halbe Belichtungszeit.
  • Wir empfehlen, grundsätzlich mindestens 3 Aufnahmen pro Motiv zu machen:
    Ein Bild laut Tabelle, das zweite eine Stufe kürzer und das dritte eine Stufe länger (Feuerwerk ausgenommen).Ein Beispiel: Sie möchten ein angestrahltes Gebäude bei Blende 11 fotografieren. So belichten Sie nacheinander mit 60 Sekunden, mit 30 Sekunden und mit 120 Sekunden.

Die Tabelle stellt nur Richtwerte dar, die auf den Erfahrungen des Autors beruhen. Sie kann naturgemäß nicht für jede Aufnahme-Situation und jede Kamera gelten…

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19. April 2010 um 11:21 Uhr

Hi,

bleibt noch zu erwähnen, dass man bei konstanten Belichtungssituationen (also etwa ein angestrahltes Gebäude) auch ein Testbild machen kann.
zum Beispiel mit
* ISO 3200
* Blende 4
* Verschlusszeit 10 Sekunden
und dann wenn das Bild nicht über-/unterbelichtet ist, die entsprechende Verschlusszeit für andere Blenden und ISO-Werte berechnen kann.

Wie das geht erkläre ich auf meinem Blog. Da habe ich auch einen „Taschenrechner“ dafür gebastelt.

Michael
23. April 2010 um 16:36 Uhr

Danke für deinen Hinweis, Julian. Ich bin so frei und verlinke den Rechner mal hier direkt im Kommentar:

Belichtungsdauerrechner